Gratis-Handyspiele: Daten landen in China und Russland
Proton-Studie zu Top-100-Gratisspielen zeigt massives Tracking – so prüft und blockiert ihr die Datenweitergabe aus euren Apps erfolgreich.

Wenn ihr ein kostenloses Handyspiel installiert habt – ein Puzzle, Mahjong, vielleicht Subway Surfers für die Kinder –, bezahlt ihr wahrscheinlich mit mehr Daten, als euch lieb ist. Eine neue Studie von Proton zeigt: Die meistgeladenen Gratisspiele im Google Play Store schicken persönliche Daten an Werbefirmen in China und Russland. Betroffen sind Millionen Downloads allein in Deutschland.
Proton hat gemeinsam mit Exodus Privacy die Top-100-Gratisspiele im Google Play Store für Mai 2026 in Deutschland, den USA, Großbritannien und Frankreich untersucht. Ergebnis für Deutschland: 97 Prozent der Top-100-Downloads gehen an Firmen aus den Five-Eyes-Staaten, 91 Prozent nach Israel, 82 Prozent nach China und 69 Prozent nach Russland. Von den 3,9 Millionen deutschen Downloads der Top 100 im Mai steckten in 3,2 Millionen Fällen China-Tracker und in 2,9 Millionen Fällen Russland-Tracker im Code. Im Schnitt enthält jedes Spiel rund 29 Tracker, Spitzenreiter ist Vita Mahjong mit 36 Stück. Zu den betroffenen Titeln gehören bekannte Namen wie Block Blast!, Disney Solitaire, Subway Surfers und Coin Master.
Welche Daten werden gesammelt?
Die Tracker erfassen laut Proton weit mehr als nur Werbe-relevante Infos: Geräte-ID, installierte Apps, Nutzungsgewohnheiten, Alter, Geschlecht und teils sogar Zahlungsdaten. Besonders kritisch ist Standort-Tracking in Echtzeit – 371.000 deutsche Downloads im Mai betrafen Apps, die GPS-Koordinaten abfragen, obwohl das Spielprinzip (etwa ein simples Ausmal- oder Puzzlespiel) das gar nicht braucht.
Dass Gratis-Apps Daten sammeln, ist an sich kein neues Phänomen – Werbefinanzierung lebt davon. Neu ist die Dimension: Fast jedes zweite Spiel schickt eure Daten gleichzeitig an Firmen in mehreren datenschutzrechtlich heiklen Ländern, mit kaum Transparenz darüber, was am Ende damit passiert. Ähnliche Tracking-Probleme hatten wir zuletzt bei KI-Chatbots, die Daten an Werbenetzwerke weitergeben – das Muster wiederholt sich branchenübergreifend.
Ehrlich gesagt überrascht mich am meisten, wie wenig die Spielmechanik mit den abgefragten Rechten zu tun hat: Ein Ausmalspiel braucht keinen Standort, Punkt. Wer das einschränken will, kommt um Handarbeit nicht herum: Berechtigungen der Apps in den Android-Systemeinstellungen einzeln durchgehen und Standort- sowie Kontaktzugriff für Spiele konsequent verweigern, einen DNS- oder Tracker-Blocker wie NetGuard oder eine VPN-App mit eingebautem Trackerschutz nutzen, und bei Titeln mit besonders vielen Berechtigungsanfragen im Zweifel lieber zur kostenpflichtigen, werbefreien Version greifen.